Miete oder Kauf – Warum in Deutschland so wenige Wohneigentum besitzen

Autor: Alexandra Müller
Lohnt sich Wohneigentum?

Deutschland hat im Vergleich zu anderen Ländern eine sehr geringe Wohneigentumsquote von 45 %. Das bedeutet, nicht einmal die Hälfte der Deutschen lebt in den eigenen 4 Wänden. Im Gegensatz dazu wohnen 97% der Rumänen im eigenen Heim. Bei dem deutschen Immobilienmarkt spricht man eher von einem Mietermarkt. Aber warum stagniert die Quote in Deutschland trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase?

 

Was bedeutet Wohneigentumsquote?

Unter dem Begriff Wohneigentumsquote versteht man das Verhältnis der Haushalte, die in ihrem eigenen Haus oder ihrer eigenen Wohnung  leben zur Gesamtheit aller Haushalte. Deutschland hat mit einer Quote von rund 45 % mit die niedrigste Quote in Europa. Euopaweit leben etwa 70 % im Eigentum.Auch innerhalb Deutschland gibt es Unterschiede. In Bundesländern wie Sachsen oder Hamburg liegt die Quote zwischen 24-31 %; im Saarland dagegen bei 57%. (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Warum ist Deutschland ein Mietermarkt?

In Deutschland wohnen mehr zur Miete als im Eigentum.

Seit 2010 sind die Zinsen für Baufinanzierungen sehr gering bzw. von Jahr zu Jahr weiter gesunken. Finanzierungen sind so günstig wie noch nie. Dennoch bleibt die Wohneigentumsquote seit Jahren auf demselben stand. Die Gründe dafür, warum die Deutschen lieber zur Miete wohnen bzw. nur vom Eigentum träumen können, sind vielfältig.

Für viele Menschen sind die Einkommensbedingungen unsicher. Ausbildung und Studium dauern länger, nach dem Einstieg ins Berufsleben sind viele Arbeitsplätze anfänglich befristet. Darüber hinaus reicht das monatliche Einkommen oder die zukünftig prognostizierte Rente nicht aus, um eine Darlehensrate bis zur vollständigen Rückführung zahlen zu können (Gesetzgebung z.B. Wohnimmobilienkreditrichtlinie).

In Deutschland gibt es seit einigen Jahren keine oder nur geringe staatliche Unterstützung für den Bau oder Erwerb von Wohneigentum. Das Augenmerk lag hier seit dem 2. Weltkrieg auf die Erschaffung von Mietwohnungen. Die Qualität und der Standard der Wohnungen sind in Deutschland sehr hoch, sodass es nicht unbedingt notwendig ist Eigentum zu kaufen um sich wohl zu fühlen. Und aufgrund verstärkten Wohnungsbau für Asylsuchende und Flüchtlinge, erhöht sich die Anzahl der Wohnungen immer weiter.

Mieter haben in Deutschland mehr Rechte und werden durch Gesetze und Regelungen besser geschützt. Vor allem der Kündigungsschutz oder die von der Politik beschlossene Mietpreisbremse stechen hervor.

Wie bereits angesprochen, bietet der Staat keine Hilfe an, sondern belastet Eigentümer durch Nebenkosten wie die Grunderwerbssteuer in Höhe von bis zu 6,5% je nach Bundesland zusätzlich. Dazu kommen dann noch Gebühren für den Notar und häufig für einen Makler. Der Kaufpreis oder auch die Herstellungskosten werden dadurch um einige Tausend Euro erhöht, was natürlich eher abschreckend wirkt.

Aufgrund der aktuell niedrigen Zinsen und somit auch geringen monatlichen Raten, überlegen zwar viele sich Eigentum zuzulegen, da oftmals ein Darlehen sogar günstiger als die monatliche Miete erscheint. Aber nicht nur die Mieten sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Auch die Objekt – und Grundstückspreise sind nach oben gegangen.

Des Weiteren haben sich die Vergaberichtlinien verschärft. Das heißt, wer ein modernes Haus kaufen möchte, muss nun tiefer in die Tasche greifen und von Anfang an mehr tilgen, wodurch die Darlehensrate dementsprechend auch wieder höher liegt.

Fazit:

Auf der einen Seite müsste die Wohneigentumsquote durch die Niedrigzinsphase und günstigeren Darlehen steigen – auf der anderen Seite durch schärfere Regelungen der Kreditvergabe, der geringen Förderung und dem anhaltenden Bau von Mietwohnungen sinken. Alles in allem gleichen sich beide Seiten aus und die Quote bleibt gleich.